Archiv der Kategorie: Allgemein

Die kleine Irin

Liebe Daheimgebliebenen,

Frühstück gibt es heute erst nach zwei Stunden Fußmarsch, diesen untermalt mit der “Moldau” von Friedrich Smetana und dem zweiten Klavierkonzert von Bach. Häufig nervt mich das Geplapper meiner Mitmenschen, die das gleiche Ziel haben, dann behelfe ich mir mit Musik. Und heute ist wieder so ein Tag, an dem alle zur gleichen Zeit gestartet scheinen. Es dauert sehr lange, bis sich der Pilgerstrom auseinanderzieht. Vielleicht ist es aber auch nur eine Frage der Optik.

Die 20-bogige Brücke Puente de OrbigoAus “Villar de Mazarife” heraus führen zunächst sechs Kilometer ebene, schnurgerade Asphaltstraße. Die restlichen 25 Kilometer nach Astorga werden ab der schönen alten und langen Brücke von “Hospital de Orbigo” landschaftlich wieder schöner und abwechslungsreicher.

Allerdings habe ich mich auf der Strecke auch enorm geärgert. Obwohl ich dem Thema Tierschutz bisher recht desinteressiert gegenüberstand: ich habe noch nie in meinem Leben eine derartige Schweinerei gesehen was Tierhaltung angeht. Leider bin ich mir nicht zu 100% sicher, es müsste sich aber um einen recht großen Bauernhof nach der kleinen Ortschaft “Sanitibánez de Valdeiglesias” handeln.

Kühe und Kälber waren hier im Freien, in einem für die Anzahl der Tiere sehr kleinen Gatter untergebracht. Die Tiere standen mit ihren Beinen circa 40 Zentimeter tief in ihrem eigenen Kot und im Schlamm obwohl es dort mit Sicherheit auch schon lange nicht mehr geregnet hatte. Die Tiere konnten sich wegen der Tiefe des Morastes kaum bewegen, mussten aber um zu fressen, an den Rand des Geheges kommen, wo etwas Heu herum lag. Es handelte sich also nicht um eine Weide. Die Tiere waren vollkommen verdreckt. Falls es Tierschützer gibt, die Kontakte zu Gleichgesinnten in Spanien unterhalten: Bitte tut etwas dagegen! Es gibt für die Zustände dort Zeugen aus aller Welt.

Mein spezielles Unterkunftsverzeichnis verspricht mir in Astorga einen 300 Jahre alten “Palast” mit allem Schnickschnack als Herberge. Und das in der Nähe der Kathedrale. Astorga hat immerhin etwa 12.000 Einwohner, zählt auf dem Jakobsweg also schon fast zu den recht grossen Ortschaften. Dort müßte es doch eigentlich auch ein recht schönes Hotel geben . . .

Das Innenleben der Herberge sieht wirklich einladend aus, wobei sich die Bezeichnung “Palast” wohl ein Pilger im schweren Delirium erträumt hat. Es gibt gute sanitäre Einrichtungen, Waschmaschinen im Innenhof, Internet und morgens sogar Frühstücksbüffet! Wichtigster Punkt für mein Bleiben: ich finde im zweiten Stockwerk noch ein Bett nahe einem offenen Fenster und dieses Bett ist auch noch ein Einzelbett im europäischen Standardformat. Purer Luxus. Meine scheinbar schlafende Bettnachbarin macht mir nur kurz Sorgen.

Alex und eine von Pilgern bekleidete Figur am WegesrandWas ich von Astorga um die Kathedrale herum sehe, gefällt mir sehr gut. Neben der Kirche vor allem der ehemalige Bischofspalast, der ebenfalls vom Architekten Antonio Gaudi entworfen wurde, seinem Zweck aber nie zugeführt wurde. Der auftraggebende Bischof starb vor der Fertigstellung, sein Nachfolger war wesentlich weniger progressiv.

Während ich also auf einer Bank sitze und das Gebäude betrachte, setzt sich plötzlich – und schon fast unerhört nahe – eine kleine, freundlich blickende Frau mit blondem Wuschelkopf neben mich und sagt: “So – you are a peregrino?!” Gleichzeitig als Frage und Feststellung. Ich überlege kurz was sie meint und woran sie das erkannt haben mag, sehe ihre Füße, und wir strecken fast synchron lachend unsere Beine hoch, ohne dass ich ihr antworte. Wir sehen: Nackte Füße in FlipFlops!
Wie sich herausstellt, ist die Frau Irin und hat sich mit mir nur einen kleinen Spaß gemacht. War sehr lustig!

Als ich in meinen “Palast” zurückkomme, liegt meine Bettnachbarin immer noch unverändert da, so dass ich sie frage, ob es ihr nicht gut gehe. Aber sie versichert mir, sie sei nur vom wandern, speziell heute, sehr geschafft. Ihr Name ist Ida, eine Ungarin die in Belgien lebt, aber sehr gut deutsch spricht. Sie wird hier extra vorgestellt, denn sie wird noch eine Rolle auf meinem weiteren Weg spielen.

Mein Abendessen nehme ich in einem Lokal gleich neben der Herberg mit Cornelia aus Köln und Alex aus Frankfurt ein, die ich beide am Vortag kennengelernt habe. Cornelia, eine junge Lehrerin, hat den Jakobsweg, wie sehr viele Deutsche, erst in León begonnen, ist also noch ein blasenloser Frischling hier.

Der Bischofssitz von GaudiAlex nimmt sie ein bisschen unter seine Fittiche. Durch meine Busfahrt nach und aus León wurde ich wieder aus einer Gruppe katapultiert und bin nun in einer neuen gelandet. Außer den beiden und Retho aus der Schweiz (danke noch mal für die Tabletten), kenne ich fast niemanden.

Sich immer wieder neu zu orientieren und neue Leute kennen zu lernen, empfinde ich als den interessantesten Aspekt auf dem ganzen Camino. Daran, dass vereinzelt trotzdem altbekannte Gesichter auftauchen, erkennt man, dass man nicht der einzige ist, der kurz im Bus saß.

Als ich endlich im Bett liege, wird mir klar, dass es noch 269 Kilometer nach Santiago sind und auch diese Herberge einen Haken hat. Alle Fußböden und Decken bestehen nur aus dicken Bohlen, so dass man den Lichtschein und die Gespräche im Erdgeschoss, jedes Husten und Knarren im Haus auch noch zwei Stockwerke höher wahrnehmen kann. Es wird also trotz des wunderbaren Bettes wieder keine Gute Nacht.

Von Pilgern und Betten

Liebe Daheimgebliebenen,

kürzlich hatte ich einen psychischen Tiefpunkt, fühlte mich, und war auch wirklich ganz allein. Umso faszinierender ist es, wie sehr die Anzahl der Pilger, die man tagsüber sieht, variiert. Logisch ist es, dass in einer Stadt wie Leon viele Peregrinos übernachten wollen. Ausser den 200 Betten in zwei Herbergen gibt es ja noch jede Menge Hotels, die auch gut frequentiert sind.

Sieht aus wie Jesus, ist aber ein junger Belgier :-)Interessant ist, wohin diese Menschen am nächsten Tag alle verschwinden. Mein Ziel ist an diesem Tag “Villar de Mazarife”, der Weg selbst führt über Feldwege und vier Kilometer Straße wieder über die Hochebene. Da die Gesamtstrecke von León aus “nur” 24 Kilometer beträgt, ist davon auszugehen, dass viele Pilger diesen Ort ebenfalls zum Ziel haben. Ganz abgesehen davon, dass in einem weit verbreiteten Reiseführer dieser Ort ebenfalls als Etappenziel angegeben ist, verfügt der Zielort zwar über drei Herbergen, aber mit zusammengenommen nur etwa 125 Betten.

Was tun die anderen 75 Pilger, die in León gestartet sind, wenn in Villar de Mazarife alle Betten belegt sind? Weitergehen? Das kann bei manchen Etappen hart werden. Hier zum Beispiel müsste man volle zehn Kilometer weiter gehen um zur nächsten Herberge zu gelangen. Und 34 Kilometer an einem Tag, das laufen nicht allzu viele. Für mich ist diese Frage jedenfalls nicht geklärt, denn es gab kein Gedränge am Abend in Villar de Mazarife.

Refugio JesusDa in meinen Übernachtungstipps die “Alberque del Jesús” hoch gelobt wird – sogar einen Pool soll es geben – lasse ich mich wieder darauf ein. Das Haus erinnert an eine kleine Hazienda mit Innenhof und Galerie im ersten Stock. Clint Eastwood als Westernheld würde sich hier gut machen. Alle Wände des Hauses sind in angenehmen Farben bunt gestrichen und über und über mit Grüßen und Cartoons bemalt, die die Leute aus aller Welt hier hinterlassen haben. Es gibt einen Garten, zwei Internet-PCs, zwei Küchen und tatsächlich einen aufblasbaren Pool im Garten. Das alles wieder auf Basis “Donativo”, also Spende. Jeder was er will und kann.

Klingt alles ganz nett, ein paar Einschränkungen gibt es aber trotzdem. Dem Wasser im Pool traue ich keinesfalls über den Weg, die Matratzen und Decken auf der Galerie im ersten Stock (Notbetten) würde ich nicht mal mit einer Kneifzange anfassen. Das renovierte 4-Bett-Zimmer in dem ich lande, macht auf den ersten Blick Hoffnung, die Realität erkenne ich nur Häppchenweise. Das Bett zwar 90 Zentimeter breit, aber nur ausgestattet mit einer 80er Matratze. Der Schläfer über mir nur knappe 60 Zentimeter entfernt. Das Zimmer wäre eigentlich bereits mit zwei Betten voll gewesen, der Sauerstoff reicht nachts nur sehr knapp für vier Personen.

Mich erstaunt in diesem Zusammenhang mein eigener Umgang mit der Situation. Natürlich ist die ganze Pilgerreise mein Wunsch gewesen. Und obwohl ich im Alltag teilweise recht hohe Ansprüche an vieles stelle, leide ich hier nicht unter den fehlenden Annehmlichkeiten. Auch wenn meine Kritik an mancher Schlafstätte das glauben machen könnte. Es gibt eigentlich nur zwei Dinge, die richtig hart für mich sind. Das eine sind die kleinen Betten, das andere ist der Platzmangel für seine paar persönlichen Sachen, die man mit sich herumträgt.

Die Galerie des RefugiosDeshalb möchte ich Euch bitten, zu Hause folgende Selbstverständlichkeiten heute ganz besonders zu geniessen:
ein Bett das lang genug ist (meine 1,86 m Körpergröße in Stockbetten zu legen, die nur 1,90 m lang sind, ist eine Qual); ein Bett das breit genug ist und alleine in einem Raum steht; ein Bett das sauber bezogen ist und ein Kopfkissen hat; ein Bett, um das herum zumindest auf drei Seiten mehr als 30 Zentimeter Raum sind, und, auch wenn es nicht üblich ist stehend zu schlafen – ich wünsche Dir, dass Du Dich in deinem Bett aufrecht sitzend aufhalten kannst, oder sogar darin stehen kannst.

Geniesse bitte weiterhin: Deinen Kleiderschrank; eventuell einen Stuhl am Bett auf dem man Kleidungsstücke ablegen kann; Dein Badezimmer mit einer Armatur aus der ausreichend Wasser in der gewünschten Temperatur kommt.

Was man sich sonst noch alles ins oder ans Bett wünschen könnte, will ich hier nicht weiter vertiefen, ich bin schließlich auf einer Pilgerreise und das 300 Kilometer vor Santiago. Auch wenn ich ziemlich sicher bin, selbst keine solche zu haben, hier bei Jesús, Dir wünsche ich auf jeden Fall eine Gute Nacht.

León in FlipFlops

Liebe Daheimgebliebenen,

heute geht es meinen Füssen wieder ganz gut und so sind die ersten 18,5 Kilometer bis nach “Mansilla de Los Mulas” schon um halb zwölf Uhr mittags unter meinen Schuhen durchgelaufen.

Auf dem Weg nach Mansilla de Las MulasZwar bin ich immer noch in der Meseta, aber die Strecke geht heute an einer wenig befahrenen Landstraße entlang, die von Bäumen gesäumt ist. Ausserdem gibt es riesige Maisfelder, die noch nicht abgeerntet sind. Das Grün tut den Augen gut und das Farbenspiel des Sonnenaufgangs ebenso.

Der letzte positive Punkt der mir heute gefällt, sind die anderen Pilger, die wie Perlen auf einer Schnur vor und hinter mir unterwegs sind. Keine Einsamkeit mehr. Tag der Oper. Verdis Aida unterhält mich heute. Zwar sollte der Triumphmarsch erst den Einzug in Santiago begleiten, war mir aber nicht sicher ob er im ersten oder im zweiten Akt vorkommt. Es ist der erste!

Von vielen anderen hier auf der Strecke habe ich die Information, wie lästig der Weg durch das Industriegebiet von Burgos war. Der Großraum Leon wird sich sicher auch nicht von seiner Schokoladenseite zeigen und so steht für mich fest: Leon werde ich von Mansilla de Las Mulas aus mit dem Bus anfahren (17 km) und auch wieder so verlassen (9 km). Danach wird Schluss sein mit Bus und Bahn. Versprochen!

Glasmalerei in der Kathedrale LeonObwohl mir seit meiner ersten Nacht im Refugio von Roncesvalles nichts menschliches mehr fremd ist, ist mein Bedarf an Herbergen nach der letzten Nacht vorläufig gedeckt, und so ist ein Hotelzimmer in der Nähe der Kathedrale schnell gefunden.

Stierkampf findet auch hier leider keiner statt. Schon in Pamplona, Logrono oder Burgos hätte ich Geld dafür ausgegeben. Nun muss ich mich weiterhin mit Szenen aus Sevilla oder Madrid begnügen, die in allen Bars vom Frühstücksfernsehen zigmal wiederholt werden und einem vor Augen führen, welchen Stellenwert die Toreros beziehungsweise die Matadoren in der spanischen Gesellschaft haben. Definitiv Superstars!

Für den Aufenthalt in einer spanischen Bar kann ich mich stets begeistern. Sei es zum Frühstück, wo in einer oder sogar zwei Ecken der Fernsehappart läuft, oft auch mit abgedrehtem Ton, dafür spricht ein Mensch aus dem Radio, natürlich vollkommen asynchron, was mich lange Zeit verwirrt hat. Die Bar ist defacto spanisches Leben. Auf dem Land ganz besonders. Vom Morgen bis zum Abend trifft man sich hier, die Alten ebenso wie die Jungen. Herrliche Gestalten gibt es hier zu sehen und wie man hier mit den kleinen Servietten, Nussschalen und Zigarettenstummeln umgeht, wäre in Deutschland undenkbar.

Als Pilger ist man heilfroh, wenn man seine Wanderstiefel nach einigen Stunden ausziehen kann. Da der Rucksack normalerweise wenig Alternativen bietet was das Schuhwerk angeht, landet man früher oder später bei FlipFlops. Leicht zu tragen, praktisch in jedem Duschraum. Praktisch auch in der Großstadt. Da kommt Luft an die Blasen, was den Heilungsprozess fördert.

Einige meiner Familienmitglieder und Freunde werden aufstöhnen wenn sie dies lesen, denn ich mag eigentlich gar keine FlipFlops, und hasse Touristen abgrundtief, die schlecht gekleidet durch ferne, fremde Städet laufen. Sei es die Touristin mit kurzen Hosen und freien Schultern, die in Istanbul eine Moschee besucht und dort religiöse Gefühle verletzt, seien es Männer, die mit nacktem Oberkörper auf dem Markusplatz in Venedig herumstehen. Dort gibt es inzwischen schon Hinweisschilder, die derart legères Verhalten verbieten möchten! Mein einziger Trost ist, dass es in León viele Touristen mit ähnlichem Schuhwerk gibt. Peregrinos eben. Ich entschuldige mich hiermit trotzdem bei den Einwohnern der Stadt für mein inakzeptables Schuhwerk.

Die Casa Botines des Architekten Antonio GaudiLeón hat eine sehr schöne alte Innenstadt, die in Gelb- und Ockertönen gehalten und verkehrsberuhigt ist. Neben der Kathedrale sticht dem Tourist sofort die “Casa Botines” ins Auge, ein von dem eigenwilligen Architekten Antonio Gaudi gestaltetes Wohnhaus einst bedeutender Händler. Heute natürlich Sitz einer Bank.

Wie in León mit der Kathedrale umgegangen wird, nervt mich schon nach kurzer Zeit total. Überall Verbotsschilder, unmengen Führungen, die sich an Lautstärke gegenseitig überbieten und Teile der Kirche sind abgesperrt. Man findet kein ruhiges Plätzchen, beeindruckt haben mich somit nur die phantastischen Glasmalereien. Etwa 1.900 Quadratmeter sollen das sein.

Da hat es mir ganz alleine im Nationalheiligtum der Spanier, dem “Panteón real” mit den Deckenmalereien aus dem 12. Jahrhundert, wesentlich besser gefallen. Auch wenn mir meine FlipFlops dort richtig peinlich sind!

Deshalb ziehe ich mich recht früh und diskret aus dem Stadtbild von León zurück, lege mich, 325 Kilometer vor Santiago in das wunderbare Hotelbett und telefoniere eine Stunde lang mit der besten Ehefrau von allen. Bis sie irgendwann sagt – Gute Nacht.

Give all my love to rose

Liebe Daheimgebliebenen,

scheinbar hat die Meseta ernsthafte Auswirkungen auf den Gemütszustand des Menschen. Heute ist der vierte Tag für mich in dieser Landschaft und ich bin wirklich schwer depressiv. Vielleicht hätte ich eine andere Musik wählen sollen, aber mir war nach Johnny Cash, der mir nun ins Ohr singt:

I found him by the railroad track this morning
I could see that he was nearly dead
I knelt down beside him and I listened
Just to hear the words the dying fellow said
He said they let me out of prison down in Frisco
For ten long years Ive paid for what Ive done
I was trying to get back to Louisiana
To see my Rose and get to know my son
Chorus:
Give my love to Rose please wont you mister
Take her all my money, tell her to buy some pretty clothes
Tell my boy his daddys so proud of him
And dont forget to give my love to Rose

Als ich auf den ersten zehn Kilometern des Tages dieses Lied höre, bin ich fast zu Tränen gerührt. Seltsam was Musik bewirken kann.

 Einsamkeit hinter Calzadilla de los HermanillosDen Camino kann man heute auf zwei verschiedenen Strecken gehen. Eine Variante wäre für mich 31,9 Kilometer lang, die andere 31,1 Kilometer. Da ich nicht ganz bei Verstand bin, wähle ich erstere.
Mein schlaues kleines Buch weist darauf hin, dass das die weniger frequentierte Strecke ist und man ausreichend Wasser und Verpflegung mitnehmen soll, denn es gibt nur eine Ortschaft am Wegesrand.

Um es in einen Satz zu fassen: Ich hab mich noch nie in meinem Leben so alleine gefühlt wie dort. Auf einer Strecke von neun Kilometern wurde ich in einer Pause von einem einzigen Pilger überholt, entgegen kam mir genau ein Mensch auf einem klapprigen Fahrrad. Sonst niemand. Weder vor, noch hinter mir. Es gab keine Felder, nur gelbes Gras, ein paar Büsche und wenige Bäume. Am ehesten war der Anblick mit der afrikanischen Steppe vergleichbar.

Noch mehr EinsamkeitEndlich in “Calzadilla de los Hermanillos” (was für ein gigantischer Name für so ein kleines Dorf), nach 14 Kilometern, bietet sich am Ortseingang ein Haus als Restaurant an. Herrlich! Menschliche Behausung, Stimmen, Geruch nach leckerem Essen. Die nette Köchin zeigt mir in ihrer Küche die selbstgemachte Tortilla und schlägt Salat dazu vor – mir ist alles Recht.

In dem schattigen Garten schlafe ich nach der Mahlzeit fast ein und erst weit nach 14 Uhr kann ich mich dazu aufraffen die restlichen 18 Kilometer in Angriff zu nehmen. Eine Stunde Gehzeit sind es bis zur nächsten Strassenkreuzung und mir wird klar: ich bin heute weder physisch, noch psychisch in der Lage den Rest der Strecke zu gehen. Auf dem vor mir liegenden Weg wird absolut nichts mehr kommen. Keine Ortschaft und schon gar keine Übernachtungsmöglichkeit.

Die letzte Stunde habe ich damit verbracht, die Qualität der Löcher zu begutachten, die die Metallspitze meines Stockes im weichen Ausbesserungsasphalt hinterlässt. Aufregenste Entdeckung in dieser Zeit war ein kleines Schlagloch in der Straße, das exakt die Form des Kontinents Afrika hatte. Vielleicht halluziniere ich auch nur.
Die Meseta hat mich geschafft.

Schöner Garten, grauenhafter SchlafsaalUnd so beschließe ich eine weitere Stunde zu opfern, um an der wenig befahrenen Straße nach “El Burgo Ranero” zu laufen, was an der Alternativ-Strecke des Tages, etwas weiter im Süden liegt, gegen die ich mich noch vor ein paar Stunden entschieden habe. Dort hellt sich meine Laune schlagartig etwas auf, sitzen doch in den Stühlen der verschiedenen Bars und Herbergen überall Gesichter, die mich erkennen, freundlich nicken oder Grüßen.

Die Herberge, die ich nehmen muss, liegt ganz am Ende der Ortschaft, hat einen wunderbar gepflegten Garten mit mehreren fest installierten Bastschirmen, darunter Liegstühle mit dicken Auflagen. Fast wie im heimischen Garten. Allerdings ist der Schlafsaal wieder eine Zumutung, Pilger gut geschlichtet nenne ich das. Zehn Stockbetten auf engstem Raum, die Sanitäranlagen zum Schlafraum hin offen. Ich hasse das.

Es wird schwer sein, das zu bekommen was ich dringend brauche, hier, 361 Kilometer vor Santiago. Nämlich eine Gute Nacht.

Von Fromista nach Sahagún

Liebe Daheimgebliebenen,

trotz des leckeren Abendessens, der Fußwaschung und des erhaltenen Segens geht es meinen Blasen heute keinen Deut besser als gestern. Drei an einem Fuß ist einfach zu viel des guten.

Der Canal de CastillaZu meiner Stimmung und der Landschaft passt heute bestens die Musik von Calexico. Zum Glück trage ich auf meinem MP3-Player circa 20 Gigabyte Musik für jede Lebenslage immer am Körper. Calexico spielen gewissermaßen amerikanischen Folk, eingestreut sind mexikanische Musikelemente und Mariachi-Trompeten. Die Gruppe kommt aus dem Grenzgebiet von Texas zu Mexiko. Daher auch der Name.

Wenn ich mir die dortige Landschaft vorstelle, dann assoziiere ich Sonne, Weite, Staub, Sand und Gestrüpp-Knäuel, die vom Wind über das Land geblasen werden. Nur letztere fehlen hier. Die bereits zwei Tage lang genossene Weite mit Stoppelfeldern und Flachheit des Geländes bestimmt auch heute das Bild der Landschaft für circa 13, 14 Kilometer. Einzige Abwechslung sind etwa drei Kilometer, die am “Canal de Castilla” entlang führen.

 Schleuse vor FromistaDieser ist insgesamt 207 Kilometer lang und wurde in den Jahren 1753 bis 1859 gebaut, um das hier angebaute Getreide an die Atlantikküste transportieren zu können. Heute dient er nur noch der Bewässerung der Felder. Von der Anlage her hat er große Ähnlichkeit mit “unserem” alten Kanal des Königs Ludwig.

Als ich endlich humpelnd in Fromista eintreffe, ist mein erstes Ziel eine Apotheke, um mich mit einer ausreichenden Menge neuer Blasenpflaster zu versorgen. Der Apotheker freut sich über den unerwarteten Umsatzschub! Mein zweites Ziel ist die örtliche Touristik-Information, wo nur ein junges Mädchen Dienst tut, die kein englisch spricht. Wir verstehen uns trotzdem.

Mein Plan, die nächsten 30 Kilometer mit dem Bus zurückzulegen, wird so nicht klappen. Denn dass mein kleines Handbuch ein Bussymbol in Fromista anzeigt, ist zwar korrekt, ebenso korrekt ist die Anzeige des Symbols in “Carrion de Los Condes” (ich liebe diese Orts-Namen), das heißt aber noch lange nicht, dass es zwischen diesen beiden Orten eine Busverbindung gibt.

Und so weite ich meinen nächsten Sprung auf zwei komplette Tagestouren aus. Fahre zunächst weit ab vom Jakobsweg 40 Kilometer mit dem Bus nach Süden, nach “Palencia”, und von dort mit dem Zug etwa 70 Kilometer nach Nordwesten, so dass ich in Sahagún wieder den Camino unter mir habe. Das gefahrene Dreieck spart mir am Ende ziemlich genau 60 Kilometer Fussweg. Jetzt fehlt mir nur noch etwa ein Tag, um am errechneten Datum, dem 24. September, wirklich in Santiago anzukommen.

 Die Herberge Viatoris in SahagúnDie Herberge “Viatoris” in Sahagún ist empfehlenswert.
65 Plätze in einer ehemaligen Scheune, die Stockbetten sind durch Holzwände voneinander getrennt, die Luft ist gut, die Sanitäranlagen okay, das Vordergebäude sieht aus, als hätte der gute alte Hundert- wasser selbst bei der Gestaltung seine Finger im Spiel gehabt.

Die geschundenen Füße einer älteren Dame, die ich in der Herberge sehe, lässt mich kurz an der hervorragenden Qualität meiner eigenen Blasen zweifeln. Allerdings frage ich mich auch, wie sie den Camino mit ihren jemals zu Ende bringen will.

Und so gebe ich mir, 379 Kilometer vor Santiago, ohne Gesellschaft zu suchen und trotz der guten Planung etwas deprimiert, noch ein paar Stücke aus “Porz Gwenn” von Didier Squiban, einem Klavierspieler aus der Bretagne, der versucht Bilder seiner Heimat vor das Auge des Hörers zu zaubern, was ihm prinzipiell gut gelungen ist. Vielleicht die Voraussetzung für meine – Gute Nacht.

Pasta in San Nicolas

Liebe Daheimgebliebenen,

üblicherweise wache ich hier etwa um sechs Uhr morgens auf. Heute gibt es aber auch eine Stunde später definitiv keinen Grund aufzustehen. Das Bett ist breit, sauber bezogen und die Ruhe im Haus ist sagenhaft. Ich will die fehlende Unruhe einer Herberge noch geniessen. Nur meine Blasen machen mir Sorgen.

Die Ruine von San AntonDa ich kaum mehr Bargeld habe, bleibt mir nichts anderes übrig, als mich trotzdem auf den Weg zu machen. So verabschiede ich mich von meinem 2-Tages-Begleiter Werner, und lasse ihn mit einer Tube Salbe aus meinem Gepäck in Hontanas zurück. Eine Schwellung am Fuss macht ihm das heutige Fortkommen einfach unmöglich.

Die Landschaft wird zunächst wieder etwas lieblicher, es gibt immerhin Bäume, die die Straße säumen und leichte Unebenheiten im Gelände, die für Abwechslung sorgen. Nach eineinhalb Stunden schmerzhafter Tortur erreiche ich die wohl sonderbarste Ruine am Camino, San Anton. Die Ruine ist die eines alten Klosters.

Das besondere daran ist die Straße, die mitten unter dem Bogengewölbe durchführt, das Kirche und Kloster verbindet. Diese Narretei ist dem Versuch der Straßenplaner zu verdanken, die Fahrbahn immer möglichst strikt der alten Pilgerroute folgen zu lassen.

Den Klöstern des Antonius-Ordens sagte man im Mittelalter Wunder nach, da dort Pilger von einer Krankheit geheilt wurden, die man “Antoniusfeuer” nannte. Pilger aus Nordeuropa waren in mageren Erntejahren häufig davon befallen, weil dort dann auch Roggen minderer Qualität zu Brot verbacken wurde, der von einem Parasiten namens Mutterkornpilz befallen war. Durch diesen wurden die Menschen krank.

Ein Blick zurückDie erwähnten Wunderheilungen bestanden lediglich in der Umstellung der Ernährung. Denn auf der iberischen Halbinsel war damals schon der Weizen die Grundlage des Brotes.

Mein Weg führte nach der Ruinenbesichtigung zwar noch durch eine sehr lang gezogene Ortschaft namens Castrojeriz, ansonsten waren 14 Kilometer Ebene, Stoppelfelder und Weite zu bewältigen. Kurz vor der kleinen Ortschaft “Itero de La Vega” erreichte ich mein Tagesziel. Dank eines Tipps der Südtirolerin Anni, die ich vor drei Tagen kennengelernt habe, beende ich meinen heutigen Weg an der kleinen Kirche “San Nicolas de Puente Fitero”.

Eines gleich vorab: diesen wohlklingenden Namen hat das gotische Kirchlein aus dem 13. Jahrhundert verdient. Auch wenn es von außen recht unscheinbar aussieht. Nicht mal einen Kirchturm gibt es. Aber einen kleinen Garten hinter der Kirche und ein zusätzliches Gebäude mit Sanitäranlagen, ein paar Rosmarinsträucher, blühende Blumen, ein paar Bäume. Eine Oase in der Öde der Meseta.

Kleine Kirche San Nicolas de Puente FiteroDieses Refugio mit nur zwölf Betten wurde von einer italienischen Bruderschaft aus Perugia vor einigen Jahren komplett renoviert und seitdem von Mitgliedern des Malteser-Ordens liebevoll geführt. Jeweils drei freiwillige Helfer aus unterschiedlichen Nationen tun für einige Wochen im Jahr “Dienst” am Pilger. Diese Leute opfern also teilweise ihren Urlaub um hinter uns Peregrinos her zu räumen. Das finde ich sehr beeindruckend!

Die Kirche ist auch innen sehr klein, es gibt rechts neben dem Eingang Platz für vier Stockbetten, also acht Personen. Den linken Teil der Kirche nimmt eine lange Tafel ein, an der etwa 14 Personen Platz haben, und auf die Länge des Tisches gibt es, vom Kirchenraum durch einen Vorhang abgetrennt, eine schmale Küchenzeile. Dort wo etwas erhöht einst der Altar stand, ist nun Platz um zehn bis zwölf Stühle im Halbkreis aufstellen zu können. Später werden dort Matratzen ausgelegt, um mehr Schlafplätze zu schaffen.

Das Innenleben der kleinen KircheIm Vordergrund steht hier die klare Struktur von festgelegten Zeremonien. Zur ersten Zeremonie, der symbolischen Fußwaschung, werden wir kurz vor 20 Uhr gebeten. Wir, das sind insgesamt zehn Personen. Eine junge Norwegerin, Martina, eine nette Kölnerin, Alicia, eine ältere Spanierin, Maria, eine Italienerin aus Florenz, Ulla, eine Finnin mit langen, schlohweissen Zöpfen, Clarissa, eine junge Wienerin, dann ein französisches Ehepaar und noch eine sehr beleibte Madame, ebenfalls aus Frankreich, und natürlich ich selbst.

Die drei Herren von der Bruderschaft haben sich kurze Schulterumhänge angelegt und bitten uns auf den Stühlen im Altarraum Platz zu nehmen. Während jeweils zwei von ihnen ein Gebet murmeln, wäscht der dritte immer den linken Fuss eines jeden Pilgers, indem er ihn mit Wasser aus einer Kanne übergiesst, danach wieder trocknet und symbolisch küsst. Damit ist der erste Teil beendet.

Wir dürfen nun an der festlich gedeckten Tafel Platz nehmen. Ein weißes Papiertischtuch zaubert Atmosphäre, ein übriges tun die Kerzenleuchter auf dem Tisch. Es gibt ohnehin keine Elektrizität in der Kirche selbst.

Die sehr introvertiert wirkende Italienerin Maria, die einigen der Anwesenden als Spezialistin für Gregorianischen Gesang vom Vorabend bekannt scheint, wird gebeten, zunächst noch etwas darzubieten, und so singt sie mit hoher klarer Stimme und einer Inbrunst, die ich lange nicht gesehen habe, ein mir unbekanntes gregorianisches Stück.

Ich bin beeindruckt!

Der festliche Tisch und die PilgerAuch von der Zwiebelsuppe die dann verteilt wird. Ich lobe den Koch ausdrücklich. Die Pasta danach war wegen der ungeplanten Gesangseinlage vermutlich zu lang im Topf, das störte das Gesamtbild des Abends aber keineswegs. Ein Dinner in solch phantastischer Atmosphäre und derart internationalen Teilnehmern kann es eigentlich nur am Jakobsweg geben. Wir unterhalten uns prächtig, geniessen das Ambiente und tauschen Erfahrungen aus.

Zum Abschluss des Abends singt Maria erneut ein Stück aus ihrem Repertoire und bereitet uns noch einen “Schlaftee” zu, aus Kräutern, die sie hier am Weg gesammelt hat. Nicht schlecht. Obwohl ich nun wirklich kein Fachmann für Tee bin.

Pilgersegen am nächsten MorgenAm nächsten Morgen werden die Herren wieder ihre Umhänge anlegen und die nächste Zeremonie durchführen: die Verabschiedung und Segnung eines jeden einzelnen Pilgers, der ihr Gast war. Aber so weit sind wir derzeit noch nicht. Erst wird geschlafen, 455 Kilometer vor Santiago. Gute Nacht.

Alemán? – Muy bien!

Ein Blick in die endlosen Weiten der Meseta

Liebe Daheimgebliebenen,

aus Burgos herauszukommen, geht verhältnismässig schnell. Kaum hat man in einer kleinen Bar hinter der Kathedrale einen “Café con Leche” getrunken und womöglich sein Croissant darin versenkt, schon ist man durch einen Park aus der Stadt herausgekommen. Burgos endet für seine Größe wirklich unvermittelt.

Der brave Pilger muss heute nur eine halbe Stunde lang die Landstrasse mit den Autos teilen, dann darf er sich auf die breiten, staubigen Wege durch die “Tierras de Campos” davonmachen. Das sind die endlosen Getreidefelder, der unter den Pilgern gefürchteten “Meseta”, der zentralspanischen Hochebene. Diese Hochebene liegt immer auf 750 bis 900 Metern Höhe und zieht sich für den Wanderer von Burgos bis Leon, was einer Entfernung von circa 180 Kilometern entspricht. Viele Pilger scheuen diesen langen Weg der wenig Abwechslung verspricht und fahren die Strecke mit dem Bus.

Wie es sich für eine Ebene gehört, gibt es dort keine nennenswerten Steigungen. Allerdings soll es dort Orte geben, die lange Zeit unsichtbar bleiben. Werner und ich sind schon gespannt.

Der Laden in Hornillos del Camino mit dem pfiffigen Namen

Der kluge Mann baut vor. Deshalb trage ich in meinem Rucksack seit Anbeginn der Reise als Ersatz meine ältesten Laufschuhe. Die haben locker 1.000 Kilometer in der abgenutzten Sohle stecken und mir nur einmal eine winzige Blase verursacht. Vergessen und verziehen.

Hornillos del CaminoWas der Pilgrimswalk ist, wurde an anderer Stelle in diesen Briefen schon erklärt. Nur hat diese Art zu gehen auch Nachteile. Es ergeben sich nämlich Fehlstellungen, auch in geliebten Schuhen. Fehlstellungen führen zu Reibung und Reibung zu neuen Blasen. So hatte ich also nach dem halben Ruhetag in Burgos alsbald zwei neue dieser gemeinen Dinger, nun am anderen Fuß, am Ende des Tages sogar deren drei. Und das waren keine kleinen!

Vielleicht waren 30 Kilometer auch zuviel für diesen Tag. Oder für uns. Oder auch beides.

Dabei begann es noch recht nett. Zwei Stunden hinter Burgos, in einem Ort namens Tardajoz, stand eine kleine alte Nonne in weißer Tracht auf dem Kirchplatz und verteilte an die vorbeieilenden Pilger kleine ovale Marien-Anhänger an einem Faden. Nur eine Geste und ein billiges Ding, aber mit dem zugehörigen “Buen Camino”, das sie uns hinterherschickte, gab uns das doch das Gefühl, unsere Pilgerreise sei nicht nur für uns selbst wichtig, sondern werde auch von außen begleitet und unterstützt. Bei mir hat das mehr Eindruck hinterlassen als manch pompöse Kirche am Weg. Wir sind also ab sofort im Auftrag des Herrn unterwegs!

Kaum ein Baum, kaum ein Strauch. Die Wanderung selbst hatte trotzdem ihre Reize. Die meist ungeteerte kleine Strasse zog sich durch die kahle Landschaft, teilweise wie mit dem Lineal gezogen. Unangenehm für den Laufschuhträger nur die vielen Steine, die sich durch die Sohle drückten und die ohnehin gepeinigten Füsse quälten. Die Getreidefelder waren bereits abgeerntet und so gab es ausser goldfarbenen Stoppelfeldern und Pilgern nichts zu sehen. Meine Vorstellungskraft reichte aus, um mir die im Wind wogenden Felder vier Wochen früher vorzustellen.

Vormittags empfand ich es trotz Sonnenschein als sehr kühl, erst am Nachmittag soll es warm gewesen sein. Der stets kalte Wind veränderte die Wahrnehmung der Temperatur bei jedem einzelnen. Die Stärke des Windes konnte ich beim öffnen meiner Wasserflasche kurz ermessen. Er fing sich darin und die Flasche fing an zu pfeifen. Alles klar?

Nach etwa viereinhalb Stunden Gehzeit erreicht man das kleine Dorf “Hornillos del Camino”, wo man sich in den einzigen Laden des Ortes stürzt um ein kühles Getränk zu ergattern. Der Ladenbesitzer ist ein pfiffiges Kerlchen und nennt sein Geschäft deshalb “469 km”. Zwar weiss keiner warum, denn nach Santiago sind es noch mindestens 486 km, aber das spielt dort ja auch nicht wirklich eine Rolle. Es motiviert immerhin ein bisschen.

Eine nette Spanierin in meinem Alter mit reichlich eigenen Blasen an den Füssen gibt sich als Mitarbeiterin eines spanischen Krankenhauses zu erkennen und verpflastert mir vor dem Laden selbstlos die Füße neu!

Für hartgesottene Pilger folgt auf dieser Strecke nach weiteren 90 Minuten Gehzeit eine Übernachtungsmöglichkeit in San Bol. Nur für hartgesottene deswegen, weil das abseits gelegene Häuschen weder über Strom noch Wasseranschluss verfügt und die sanitären Anlagen somit aus einer lustig sprudelnden Quelle bestehen, deren Wasser in ein schwimmbadblau gestrichenes Auffangbecken geleitet wird.

Dort wäscht sich der verschwitzte Wanderer, kühlt sich die Füsse, wäscht seine Wäsche. Als ich da war, wurde in einer Art Selbstreinigung mit dem Wasser am Überlauf des Beckens gerade das Essgeschirr des Hauses gereinigt. Mahlzeit.

Hontanas zeigt sich endlichIm übrigen versucht der Betreiber der 12-Betten-Herberge wohl die Zeit dorthin zurückzudrehen wo er geboren – oder gezeugt wurde, nämlich zur Hippie-Ära in der seine Eltern gelebt haben. Die Hygiene gar ins Mittelalter. Werner und ich brauchen so etwas nicht, sind selbst alt genug und schleppen uns lieber die fehlenden fünf Kilometer nach Hontanas weiter.

Hontanas liegt in einer kleinen, aber recht tiefen Senke und so muss man wirklich schon fast am Ortseingang angekommen sein, um zu bemerken, dass es den Ort gibt. Selbst der Kirchturm schaut nicht aus der Senke hervor. Eigentlich unglaublich. Ist aber so!

Der erste Eindruck von Hontanas ist erfreulich. Gleich am Ortseingang liegt rechts einen Herberge mit Bar. Gegenüber die Kirche mit einem Brunnen davor (von dessen heilendem Wasser die Einheimischen überzeugt sein sollen).

Neben anderen Gebäuden gibt es ein Haus mit dem schönen Schild “Hostal”. Im Eingang stehen drei ortsansässige Damen, die uns bedauernd klar machen, dass leider schon alle Zimmer belegt sind. Eine von ihnen bietet uns aber Unterkunft in ihrem Privathaus an. Für 25 Euro pro Person und Einzelzimmer. Allerdings ein Bad für drei Zimmer. Nach der kürzlich stattgefundenen Besichtigung von Hippie-San-Bol klingt das sofort wie Balsam auf unsere geschundenen Füsse.

Als die Damen erfahren, dass wir “Alemán” sind, erklären sie sich gegenseitig wortreich, dass das “muy bien!”, also sehr gut sei. Wir werden wohl nie erfahren, warum das besser sein könnte, als von einer anderen Nation abzustammen, geniessen aber abends die regionale Spezialität, Blutwurst mit Reis und Zwiebeln, und freuen uns, nur noch 475 Kilometer nach Santiago zu haben. Gute Nacht.

Gute Pilger – Böse Pilger

Morgenstimmung auf dem Jakobsweg

Liebe Daheimgebliebenen,

unser Tagesplan soll eines Pilgers würdig beginnen. Also laufen Werner und ich nach einer sehr herzlichen Verabschiedung von Orietta zunächst die neun Kilometer nach Belorado. Eine andere Möglichkeit gibt es ohnehin nicht. Gute Pilger.

Etwas weniger pilgertypisch gestalten wir den Rest des Tages. Zunächst brausen wir für spottbillige 2,67 Euro pro Nase etwa 50 Kilometer weit mit dem Bus nach Burgos.

Wir verschaffen uns Zutritt nach Burgos

Vorbei an all den schwitzenden und staubigen Gestalten am Rande der Strasse, die für diese Strecke zwei komplette Tage brauchen werden und zu denen wir bis vor kurzem noch gehörten. Böse Pilger!

Der Theorie, dass man im Jahr 2007 für etwa 100 Euro mit dem Bus kreuz und quer durch ganz Spanien reisen könnte, schenke ich inzwischen immer mehr Glauben.

Die Kathedrale Santa Maria in Burgos gehört nicht umsonst zum Weltkulturerbe. Ein phantastisches Bauwerk, in dem man Stunden verbringen kann, ohne alle Details gesehen zu haben. Auch sonst gefällt uns Burgos ausgezeichnet. Speziell die komfortablen Badezimmer und Betten im Hotel El Cid, direkt neben der Kathedrale; das frisch vermählte Paar, das sich in einem Kirchhof sehr gefreut hat, von zwei Peregrinos abgelichtet worden zu sein.

Konfetti nach Hochzeit in Burgos

Dann sind da natürlich noch die Bars, Restaurants, die Cervezerias und die Tatsache, dass wir uns diebisch über all das auch noch freuen ohne ein schlechtes Gewissen zu haben.
Böse Pilger!

Kathedrale in Burgos

Ein Wermutstropfen in unserem Freudentaumel sind nur die erneuten Versuche der Blasen, wenn schon nicht die Weltherrschaft, dann zumindest die Herrschaft über unsere Füße zu übernehmen. Vielleicht weil wir so böse Pilger waren!

Die Erkenntnis des Tages lautet trotzdem: Der Camino, 506 Kilometer vor Santiago, im Hotelbett in Burgos, hat einfach Klasse.
Ich wünsche deshalb eine ganz besonders gute Nacht.

Hotel neben der Kathedrale in Burgos

Mitpilger Werner in Burgos

Weißes Geflügel

Santo Domingo de La Calzada

Liebe Daheimgebliebenen,

eine sehr prominente Station auf dem Jakobsweg ist “Santo Domingo de La Calzada”. Das deshalb, weil hier noch immer an ein Wunder aus dem 16. Jahrhundert auf höchst anschauliche Weise erinnert wird. In jenem Jahrhundert machte ein deutscher Pilger Namens Hugonell mit seinen Eltern Rast in Santo Domingo. Die Wirtstochter verguckte sich in ihn und als er ihre Liebe verschmähte, bezichtigte sie ihn des Diebstahls. So endete Hugonell alsbald am Strick. Was das mit Liebe zu tun hat, wissen nur die Götter.

Die Kathedrale in Santo Domingo de La CalzadaSeine Eltern pilgerten weiter nach Santiago und als sie zurückkamen – damals flog man ja nicht einfach so heim – fanden sie ihren Sohn am Ortseingang auf den Schultern des heiligen Jakobus. Immer noch mit dem Strick um den Hals, aber nun lebendig. Als sie dies dem Richter meldeten, der das Urteil gefällt hatte und der gerade zu Mittag aß, sagte dieser: “Euer Sohn ist so tot wie das Brathuhn hier auf meinem Teller”. In diesem Moment wurde sein Hähnchen lebendig und krähte laut.

Seit dieser Zeit werden ein paar weiße Hühner in der Kathedrale von Santo Domingo gehalten. Die Hühner sitzen in einer Art kleinem Balkon hinter Glas, picken also nicht um den Altar herum nach Futter. Neuere Tierschutzgesetze sorgen dafür, dass die Tiere nach 21 Tagen durch ein neues Paar ersetzt werden. An die Kathedrale ist ein kleines Museum angeschlossen und der Besuch lohnt sich voll und ganz. Nicht nur wegen dem Geflügel. Im übrigen war die Musik, die in der Kirche leise gespielt wurde allererste Sahne. Die CD muss her!

Das Refugio von Acácio und Orietta in Viloria de Rioja

Einen Teil der ersten 15 Kilometer von Azofra nach Santo Domingo gehe ich erstmals gemeinsam mit einem anderen Pilger, nämlich mit Werner aus München, fast ebenso alt wie ich. Wir gehen etwa das gleiche, ziemlich hohe Tempo und unterhalten uns gut. Auch nach dem Besuch des Hühnerstalls bleiben wir für weitere 15 Kilometer zusammen.

Losgelaufen mit dem Vorsatz in einem Hotel zu übernachten, landen wir in einem kleinen Dorf namens “Viloria de Rioja”, das nur aus ein paar Häusern besteht. Eines davon sieht ziemlich verfallen aus, die Beschriftung behauptet aber es handle sich um ein Refugio. Betrieben von Acácio, einem Brasilianer, und seiner Lebensgefährtin aus Italien, genannt Orietta.

Das Haus in dem sich das Refugio befindet

Das Dach des Hauses ist definitiv nur zur Hälfte vorhanden, der Rest eingestürzt. Im ersten Stockwerk sind anstelle von Glasfenstern nur Plastikfolien auf die Rahmen gespannt, das Erdgeschoss ist dagegen komplett renoviert. Dort gibt es zwei Räume die ineinander übergehen, eine abgetrennte Küche, Internetanschluss(!), alle Bücher von Paulo Coelho in mehrfacher Ausführung und in allen Sprachen, qualmende Räucherstäbchen, Buddhas, indische Shiwas und aus dem Ghettoblaster in der Ecke klang das “Om mani Padme Hum”.

Wer sich mit den Weltreligionen und Paulo Coelho ein bisschen auskennt, weiß nach dieser Beschreibung, wie die beiden Herbergsbetreiber ticken.

Der Schlafraum im Refugio

Schön war es trotzdem. Im Schlafraum, vermutlich einst die Scheune des Hauses, stehen richtig schöne Holzbetten auf dem schiefen Boden. Breit und zwei Meter lang! Davon einige nebeneinander, in der Ecke weitere fünf Stockbetten. Der Rest der Einrichtung ist bunt zusammengewürfelt, die sanitären Einrichtungen einfach aber sauber und funktionell. Acácio nimmt fünf Euro für die Schlafstätte und erklärt der Rest sei “Donativo”, also Spende. Ausserdem können alle Pilger die das wünschen gemeinsam mit ihm und seiner Frau Orietta essen. Acácio selbst fungiert offensichtlich als wichtige Anlaufstelle für alle Brasilianer, die den Camino gehen wollen, denn er hat ununterbrochen Unmengen von E-Mails zu beantworten.

Ausser Werner und mir schneien nacheinander noch herein: Anni aus Südtirol, Heike aus Düsseldorf und der etwa 50-jährige Etienne aus Gent in Belgien. Das war dann schon die ganze Besetzung. Vor der einfachen Mahlzeit, die an einem großen, fast quadratischen Tisch eingenommen wird, werden wir gebeten uns vorzustellen und den Grund unseres Hierseins kurz zu erläutern. Das ist natürlich wieder ein wildes Sprachengemisch. Denn Anni kann deutsch, was die beiden Gastgeber nicht verstehen, und italienisch, was ausser ihr nur Orietta versteht.

Acácio und Orietta (v. links)

Schliesslich einigen wir uns auf englisch, Anni soll jeweils eine Übersetzung bekommen. Und so lösen sich die Zungen, während wir Wein trinken, Reis mit Gemüseeintopf, Salat und selbstgebackenes Schwarzbrot von Orietta verspeisen. Ein sehr unterhaltsamer und internationaler Abend, der damit endet, dass die Gastgeberin abspült und die Pilger abtrocknen.

Eine sehr familiäre Wohltat nach den vorangegangenen Nächten. So etwas schönes werden wohl die wenigsten Pilger auf ihrem Weg erleben. Ich bin offen für weitere Abende dieser Art. Es sind ja immerhin noch 568 Kilometer nach Santiago.

Vielen Dank Acácio und Orietta. Gute Nacht.

Pilgrimwalk und Interview mit einer Blase

Interview mit einer Blase

Pilger: Unglaublich! Wo kommst Du plötzlich her?

Blase (satanisch grinsend): Ich bin immer und überall vorhanden und derzeit dabei, die Weltherrschaft zu übernehmen.

Pilger: Die Weltherrschaft?

Blase (mit unschuldigem Blick): Natürlich, schauen
Sie sich hier doch einmal um. Wir sind international tätig. Schließlich bin ich nicht allein.

Pilger: Wie ist denn das zu verstehen?

Blase (gibt sich weltmännisch): Nun, sehen Sie, sie kleiner Pilger, hier sind Menschen aus aller Welt, die Schuhe aus aller Welt tragen. Noch keine Nation hat es geschafft, Schuhe herzustellen, die uns nicht auf den Plan rufen würden.

Pilger: Schwer vorstellbar, dass es gegen Deinesgleichen kein Mittel geben soll.

Blase (füllt sich gerade weiter und schmerzt deshalb noch mehr): Nennen Sie mir ein Forschungsinstitut, das gegen uns etwas unternehmen möchte. Im Gegenteil, wir arbeiten mit internationalen Konzernen sehr erfolgreich zusammen.

Pilger (entsetzt): Mit welchen Konzernen denn?

Blase (lehnt sich entspannt zurück): Zum Beispiel mit den Pflasterherstellern dieser Welt und diversen Schuhproduzenten. Gelegentlich mischen wir uns auch jetzt schon in die Weltwirtschaft mit ein. Sie haben sicher schon von den verschiedenen Spekulationsblasen gehört. Der BioTech oder auch der IT-Blase. Nicht zu vergessen den Bubble-Gum. Was wäre die Welt ohne Letzteren?

Pilger: Ich kenne aber ein probates Mittel gegen Ihre Überfüllung. Die Nadel.

Blase
(jetzt etwas ängstlich): Lassen sie nicht das Wasser ab. Das mit der Weltherrschaft war doch nur ein kleiner Scherz. In Wirklichkeit bin ich von der Schuhfeuerwehr. Sie wissen doch, wo Reibung ist, da entsteht Hitze. Und deshalb stehe ich sozusagen mit dem ersten Tropfen als Löschtrupp bereit. Bevor Ihr Schuh brennt….

Pilger (die Blase aufstechend): Jaja, Vielen Dank für dieses Gespräch!

Diese Unterhaltung wurde am Mittwoch, 5. September 2007 mit meiner ersten Blase aufgezeichnet, die ich seit dem Abend zuvor an meiner rechten Ferse habe.

Blick auf die Zwischenstation Najera

Ich befinde mich mit meiner Blase in guter Gesellschaft. Es gibt fast keinen Wanderer auf dem Jakobsweg, der nicht früher oder später eine dieser seltsamen Spezies aufweisen könnte. Und wenn man eine davon hat, dann geht man den sogenannten “Pilgrimwalk”.

Der geht so: Man steht auf. Tritt auf dem Fuß auf, an dem man keine Blase hat, setzt dann den geschädigten Fuß ebenfalls kurz auf, aber nur ganz kurz, verzieht vor Schmerz das Gesicht und wechselt möglichst schnell zurück auf den gesunden Fuß. Das ganze gibt ein lustiges Gesamtbild und man erkennt, selbst in Großstädten, die Pilger daran sofort. Speziell wenn sie vorher gesessen sind.

Zurückgelegt habe ich an diesem Tag nur 22,5 km. Von Navarette nach Azofra. Durch Weinberge, an der Autobahn entlang, durch ein Industriegebiet und die modernen Verzweigungen von Zufahrtsstrassen aller Art. Bekommen habe ich als Belohnung endlich mal Tapas in Najera und eben dort auch neue Socken von der Strumpffachverkäuferin meines Vertrauens.

Herberge mit Doppelzimmern in AzofraWenn man, wie ich, hin und wieder auf ältere kleine Französinnen hört, dann bekommt man eventuell gute Tipps. Mir wurde die fast neue Gemeindeherberge in Azofra empfohlen. Dort gebe es sogar 2-Bett-Zimmer. Zwar haben die Zimmer dann eher die Form von Zellen, aber man hat außer einem kleinen Bett sogar noch einen Schrank dort.

In der Herberge von Azofra kann man es aushalten

Mein Zellengenosse hatte sich dafür entschieden als Spanier geboren zu sein, hörte kurz in sich, stellte fest, dass er keiner anderen Sprache mächtig sei als seiner eigenen (Nada!), rollte sich in seinen Schlafsack und schlief schon am Nachmittag. Ich dagegen besuchte die lustige Kirchenschmückung.

Spanier im Allgemeinen werden ja ohne die Möglichkeit geboren, die Lautstärke ihrer Stimmen nach unten zu regulieren. Das ist zwar bedauerlich, scheinbar aber Tatsache. Vielleicht auch nur ein kleiner Konstruktionsfehler. Was der Spanier auch gerne hat, ist die Beschallung seiner kleinen Dorfkirche. So kann es also vorkommen, dass man Gregorianische Gesänge aus einem unsichtbaren Lautsprecher vernimmt, wenn man alleine in (oder sogar vor!) einer Kirche verweilt. Manchmal läuft auch andere Schwurbelmusik, esoterisch angehaucht.

Das Kirchenspektakel in Azofra

Die Kirche in Azofra begnügte sich damit nicht. Sie glich einem Tollhaus.
Es lief Gregorianischer Gesang. Ausserdem war das Mikrofon des Pfarrers auf dem Altar eingeschaltet aber heruntergefallen und stiess einen erbärmlichen Pfeifton aus. Manchmal knallte es auch richtig, nämlich dann, wenn eine Frau mit langem Wischmob, die um den Altar herumwischte, dagegenstieß ohne dies zu bemerken. Sie unterhielt sich derweil lautstark mit zwei weiteren Frauen und ebensovielen Männern.

Die beiden Hombres schienen ihres Zeichens Schreiner zu sein, jedenfalls übten sie sich darin, eine auf eine Art Sänfte montierte Jesusfigur auf ein ähnliches Gestell neuerer Bauart zu montieren. Da ihre Bemühungen nicht ohne weiteres vom gewünschten Erfolg gekrönt schienen, waren die aufmunternd klingenden Worte der drei Damen wohl eher hämischer Natur.

Die beiden noch nicht zur Vorstellung gekommenen Senoras gehörten offensichtlich zur Kirchengemeinde und klapperten mit viel Engagement mit ihren Pantinen in der Kirche herum, Blumenschmuck platzierend. Natürlich nicht ohne dabei zusätzlich Unmengen spanischer Worte zu verstreuen.

Das ganze Spektakel wurde über Lautsprecher übrigens auch auf den leeren Vorplatz der Kirche übertragen. – Wohin sonst noch, weiss ich nicht. – Mich tröstet die Tatsache, dass mein Zellengenosse still ist und  es nur noch 598 Kilometer nach Santiago sind. Aus dem Doppelzimmer sende ich deshalb eine gute Nacht.